Medikamente richtig einnehmen

So können Arzneimittel am besten wirken

Foto: Adam Niescioruk, Unsplash

Kopfschmerzen, Husten oder Fieber? Viele greifen in diesem Fall routinemäßig zur Tablette. Schnell zum Frühstück mit einem Schluck Kaffee genommen, wird sie bestimmt bald helfen – oder? Doch auf diese Weise  kann man die Wirkung von Arzneimitteln auch verzögern. Darauf wies Apothekerin Katharina Hofmann in ihrem Vortrag zum richtigen Umgang mit Arzneimitteln  beim Berliner Leberring e.V. hin.

Grundsätzlich sollte man vor der ersten Einnahme bzw. Anwendung eines Medikaments den Beipackzettel studieren, so die Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie. Nicht unbedingt den Teil, in dem die möglichen Nebenwirkungen aufgeführt sind, den sollte man besser erst lesen, wenn man tatsächlich unerwünschte Wirkungen spürt. Aber die Hinweise zur Anwendung und zu eventuellen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollten schon aufmerksam gelesen und beherzigt werden. Besonders wichtig ist dies natürlich für Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen oder anwenden (z. B. Salben, Zäpfchen oder Pflaster mit Wirkstoffen).

Der Kleiderschrank ist ein guter Aufbewahrungsort für Medikamente

Auch an Anweisungen zur Aufbewahrung der Medikamente sollte man sich halten. Manche Arzneimittel müssen in den Kühlschrank, sonst verderben sie. Für alle anderen ist der (Kleider)Schrank im Schlafzimmer ein guter Ort, dort wird es meist auch im Sommer nicht zu warm. Außerdem sind Tabletten, Kapseln, Tropfen & Co. hier auch vor Helligkeit geschützt.

„Am besten ist es, Tabletten oder Kapseln mit einem Glas Leitungswasser einzunehmen“,  rät Katharina Hofmann. Am leichtesten geht es im Stehen oder Sitzen mit leicht geneigtem Kopf und Oberkörper. Durch viel Flüssigkeit werde der Transport durch die Speiseröhre und damit auch der Wirkungseintritt beschleunigt. Wirkstoffe, die den Magen reizen, sind besser verträglich, schleim- oder sekretlösende  Stoffe wie z. B. Hustenmittel können besser wirken.

Kaffee, Tee, Milch und Saft können Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen

Die Apothekerin rät ausdrücklich davon ab, Medikamente mit Kaffee, Tee, Milch, Saft oder alkoholischen Getränken einzunehmen. Die in Kaffee und Tee enthaltenen Gerbstoffe können  die Wirksamkeit beeinflussen. Das in Milch und Milchprodukten, aber auch in vielen Mineralwässern enthaltene Kalzium bildet mit einigen Antibiotika sowie dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin Komplexe, die vom Körper schlecht aufgenommen werden.

Grapefruitsaft hemmt einige Enzyme, dadurch wird der Abbau zahlreicher Medikamente im Körper verzögert.  Katharina Hofmann rät deshalb allen, die Medikamente einnehmen, am besten ganz auf Grapefruitsaft zu verzichten.

Einnahme vor dem Essen heißt 30 Minuten vor der Mahlzeit

Auch der Zeitraum zwischen einer Mahlzeit und der Medikamenteneinnahme kann die Wirksamkeit des Arzneimittels beeinflussen. Hier empfiehlt es sich ebenfalls, die Angaben im Beipackzettel einzuhalten:
„Zum Essen“ bedeutet während oder unmittelbar nach der Mahlzeit.
„Nach dem Essen“ wird in der Packungsbeilage erläutert, häufig heißt es, dass man bis zu zwei Stunden Zeit vergehen lassen soll.
„Nüchtern“ ist man 30 bis 60 Minuten vor dem Essen oder frühestens 2 Stunden nach dem Essen.
„Vor dem Essen“ heißt nicht unmittelbar davor, sondern ca. 30 Minuten vor dem Essen.

Gibt es keine entsprechende Angabe, kann man das Medikament zum Essen einnehmen, so Katharina Hofmann.

Cholesterinsenker am besten abends einnemen

Die Tageszeit spielt bei manchen Arzneimitteln ebenfalls eine Rolle: Statine (Cholesterinsenker) sollten am besten abends genommen werden. „Dann wirken sie besser und sind auch besser verträglich“, sagt Katharina Hofmann. Glucocorticoide kann der Körper dagegen am besten (frühen) Morgen verarbeiten. Bisphosphonate sollten ebenfalls morgens genommen werden. Sie können in der Speiseröhre ätzend wirken, deshalb sollte man sich nach der Einnahme nicht wieder hinlegen.

Viele Tabletten dürfen nicht geteilt werden

Viele Menschen haben Probleme damit sehr große Tabletten oder Kapseln zu schlucken und versuchen deshalb, diese in kleinere Portionen aufzuteilen. Doch das ist nicht bei allen Medikamenten ratsam. Magensaftresistent überzogene Tabletten sollten zum Beispiel nicht geteilt werden. „Der Überzug dient einerseits dazu, den Magen vor dem Arzneistoff zu schützen und andererseits den Inhaltsstoff vor der Magensäure zu schützen, damit er erst im Dünndarm freigesetzt wird und dort aufgenommen werden kann, erläutert Apothekerin Hofmann.

Retardtabletten, die ihren Wirkstoff nach und nach freigeben sollen, dürfen ebenfalls nicht geteilt werden, damit der gewünschte Effekt nicht verloren geht.

Tabletten, die geteilt werden dürfen, erkennt man an einer deutlichen Bruchkerbe. „Es gibt aber auch Tabletten, die eine Zierkerbe haben“, so Katharina Hofmann, „deshalb sollte man immer in den Beipackzettel schauen.“ Sie rät, Tabletten immer erst kurz vor der Einnahme zu zerteilen. Die zweite Hälfte sollte man als nächstes verbrauchen und sie bis dahin trocken, sauber und lichtgeschützt aufbewahren.

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