{"id":6366,"date":"2026-01-27T17:38:46","date_gmt":"2026-01-27T15:38:46","guid":{"rendered":"https:\/\/berliner-leberring.de\/?p=6366"},"modified":"2026-01-27T17:45:51","modified_gmt":"2026-01-27T15:45:51","slug":"so-war-der-patiententag-lebererkrankungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berliner-leberring.de\/en\/so-war-der-patiententag-lebererkrankungen\/","title":{"rendered":"So war der Patient:innentag Lebererkrankungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sabine von Wegerer<\/strong>, Vereinsvorsitzende des Berliner Leberring e.V. und <strong>Prof. Frank Tacke<\/strong>, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9 begr\u00fc\u00dften die Anwesenden am 27. September 2025 im H\u00f6rsaal am Charit\u00e9-Campus Virchow Klinikum..<\/p>\n<h4>Wie Lebererkrankungen diagnostiziert werden<\/h4>\n<p><strong>Prof. Cornelius Engelmann<\/strong>, Oberarzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9, Campus Virchow Klinikum, startete die Vortragsreihe mit einer \u00dcbersicht der Blutwerte, die wichtig sind f\u00fcr die Diagnose einer Lebererkrankung. So weist eine Erh\u00f6hung der Transaminasen AST\/GOT, ALT\/GPT und GLD auf eine Sch\u00e4digung der Leberzellen hin. Eine Erh\u00f6hung der Cholestasewerte GGT und AP (Alkalische Phosphatase) deutet auf eine Sch\u00e4digung der Galleng\u00e4nge. Eine Erh\u00f6hung des Bilirubin-Wertes kann Anzeichen einer Funktionsst\u00f6rung der Leber sein, ebenso ein erh\u00f6hter Quick-Wert und\/oder ein verminderter Albuminspiegel im Blut.<\/p>\n<p>Zur weiteren Diagnostik k\u00f6nnen eingesetzt werden:<br \/>\n\u2022 Messung der Steifigkeit des Lebergewebes,<br \/>\n\u2022 Ultraschall \u2013Untersuchung, evtl. mit Kontrastmittel, zur Beurteilung des Lebergewebes und der Galleng\u00e4nge<br \/>\n\u2022 Computertomographie liefert eine Gesamt\u00fcbersicht \u00fcber die Leber, angrenzende Organe und die Gef\u00e4\u00dfe<br \/>\n\u2022 Magnetresonanztomographie, evtl. mit Kontrastmittel, dient u. a. der Unterscheidung von Knoten bzw. Tumoren in der Leber sowie der Darstellung der Gallenwege<\/p>\n<p>F\u00fcr die Diagnose mancher Erkrankungen, z.B. der Autoimmunhepatitis, ist eine Biopsie notwendig, bei der eine Probe des\u00a0 Lebergewebes entnommen wird.<\/p>\n<p>Prof. Engelmann erl\u00e4uterte den Verlauf einer chronischen Lebererkrankung beginnend mit dem fortschreitenden Umbau des Lebergewebes in Bindegewebe (Fibrose) bis zur Zirrhose,\u00a0 verbunden mit Aszites (Ansammlung von Fl\u00fcssigkeit in der Bauchh\u00f6hle), Muskelschwund Gelbf\u00e4rbung der Haut und hepatischer Enzephalopathie. Kommt es zu einer dekompensierten Zirrhose, kann dies zum Leberversagen f\u00fchren. In fr\u00fcheren Stadien kann sich das Lebergewebe regenerieren, deshalb sei es wichtig, chronische Lebererkrankungen fr\u00fchzeitig zu behandeln, so Prof. Engelmann. Eine dekompensierte Leberzirrhose ist eine Indikation f\u00fcr eine Lebertransplantation.<\/p>\n<h4>Wenn sich\u00a0 das Immunsystem gegen eigene Organe richtet<\/h4>\n<p><strong>Prof. Frank Tacke<\/strong> informierte \u00fcber seltene autoimmune Lebererkrankungen:<\/p>\n<p>Bei der Diagnosestellung werden zun\u00e4chst Blutwerte wie ALT, AP, Gammaglobulin und\u00a0 verschiedene Autoantik\u00f6rper untersucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Diagnose einer Autoimmunhepatitis (AIH), bei der das Immunsystem sich gegen das k\u00f6rpereigene Lebergewebe richtet, \u00a0ist immer eine Leberpunktion erforderlich. Zur Therapie wird zun\u00e4chst Cortison gegeben, eventuell Budesonid, das weniger Nebenwirkungen hat. Zur Langzeitbehandlung wird im Allgemeinen auf Azathioprin umgestellt, eine neue Alternative ist MMF. Fr\u00fchestens nach zwei Jahren kann versucht werden, die Medikamente abzusetzen. Eine AIH m\u00fcsse aber meist lebenslang behandelt werden, so Prof. Tacke.<\/p>\n<p>Bei der Prim\u00e4r-sklerosierenden Cholangitis (PSC) sind zun\u00e4chst die Galleng\u00e4nge entz\u00fcndet. Zur Diagnose ist ein MRT und\/oder ein MRCP erforderlich, um die Galleng\u00e4nge darzustellen. Die meisten Betroffenen leiden auch an einer chronisch entz\u00fcndlichen Darmerkrankung. Bei einem Gallestau k\u00f6nnen die Galleng\u00e4nge mit einer ERCP geweitet werden. Ein Teil der Patienten wird off-label mit Ursodeoxychols\u00e4ure (UDCA) behandelt. Viele Patienten brauchen wegen einer fortschreitenden Zirrhose eine Lebertransplantation. \u00a0Der Wirkstoff Noruchols\u00e4ure wurde in einer Phase III Studie bei PSC mit guten Ergebnissen eingesetzt. Die Experten hoffen auf eine Zulassung 2026.<\/p>\n<p>Die Prim\u00e4r-bili\u00e4re Cholangitis (PBC) betrifft ebenfalls zun\u00e4chst \u00a0die Galleng\u00e4nge. Wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt wird, ist die Lebenserwartung nicht beeintr\u00e4chtigt, betonte Prof. Tacke. F\u00fcr die Diagnose sind vor allem die AMA-Autoantik\u00f6rper und die alkalische Phosphatase (AP) wichtig.\u00a0Viele Betroffene leiden unter schwerem Juckreiz und starker M\u00fcdigkeit. Zur Behandlung der PBC wird UDCA eingesetzt. Als Zweitlinientherapie stehen jetzt Elafibranor und Seladelpar zur Verf\u00fcgung, off-label wird Bezafibrat eingesetzt.<\/p>\n<h4>Studie untersucht starke M\u00fcdigkeit bei PBC<\/h4>\n<p>Die starke M\u00fcdigkeit (Fatigue), unter der 50 Prozent der PBC-Betroffenen leiden, wird jetzt an der Charit\u00e9 Campus Virchow-Klinikum \u00a0in einer Studie untersucht, die <strong>Dr. Toni Herta, <\/strong>Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9, Campus Virchow Klinikum vorstellte. Fatigue tritt h\u00e4ufig bei neurologischen Erkrankungen auf, z. B. bei Multipler Sklerose (MS). Bei MS wurde eine Netzwerkst\u00f6rung zwischen gestimmten Hirnarealen nachgewiesen.\u00a0\u00a0 Nun soll erforscht werden, ob die Fatigue bei PBC-Patienten eine \u00e4hnliche Ursache hat. F\u00fcr die Studie werden noch Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesucht, die an einer sicher diagnostizierten PBC leiden, keine Leberzirrhose haben, keine weitere Erkrankung, die Abgeschlagenheit ausl\u00f6sen kann und keine Dauermedikamente einnehmen, die Ursache der Fatigue\u00a0 sein k\u00f6nnen. F\u00fcr die Studie werden Interessierte mit und ohne Fatigue gesucht. Interessierte k\u00f6nnen sich bei Dr. Toni Herta melden: <a href=\"mailto:Toni.Herta@charite.de\">Toni.Herta@charite.de<\/a>. Sie m\u00fcssen eine Stunde Zeit f\u00fcr ein Vorgespr\u00e4ch haben und ca. vier Stunden Zeit f\u00fcr verschiedene Untersuchungen an einem Vormittag mitbringen.<\/p>\n<h4>Virus-Hepatitis-Erkrankungen &#8211; jeder kann sich infizieren<\/h4>\n<p><strong>Prof. Frank Tacke<\/strong> gab nach der Pause einen \u00dcberblick zu den Virus-Hepatitis-Erkrankungen. W\u00e4hrend eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus eine Entz\u00fcndung der Leber ausl\u00f6st, die von selbst ausheilt,\u00a0 k\u00f6nnen die Hepatitis-Viren B und C oder auch die Kombination von Hepatitis B und D-Viren Ursache f\u00fcr eine chronische Leberentz\u00fcndung\/Hepatitis sein.<\/p>\n<p>Jeder kann sich mit einer Virushepatitis infizieren, so Prof. Tacke. In der Regel merkt man dies nicht. Der Hausarzt oder die Haus\u00e4rztin kann im Rahmen des Check-up 35 auf Hepatitis B und C testen.<\/p>\n<p>Hepatitis C kann heute in den allermeisten F\u00e4llen durch Medikamente geheilt werden. Hepatitis B heilt sehr oft von selbst aus, aber wenn die Infektion chronisch wird, kann sie zu einer fortschreitenden Lebersch\u00e4digung f\u00fchren. Mit Medikamenten kann die Krankheit zum Stillstand gebracht werden. Eine Hepatitis-D-Infektion ist nur in Kombination mit Hepatitis B m\u00f6glich. Sie ist sehr selten, kann aber zu einer schweren chronischen Lebererkrankung f\u00fchren. Inzwischen ist eine spezifische Therapie f\u00fcr Hepatitis D zugelassen.\u00a0Prof. Tacke\u00a0 wies darauf hin, dass es eine wirksame Impfung gegen Hepatitis B gibt.<\/p>\n<h4>Fettleber &#8211; die stille Volkskrankheit<\/h4>\n<p>Eine stille Volkskrankheit ist die Steatotische Lebererkrankung, umgangssprachlich Fettleber. Unterschieden wird hier zwischen einer Alkohol-assoziierten\u00a0 Lebererkrankung (ALD) und einer Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD). Die weit verbreitete MASLD ist meist verbunden mit \u00dcbergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder erh\u00f6hten Blutfettwerten. Dementsprechend stehen Lebensstil-Ver\u00e4nderungen bei den Gegenma\u00dfnahmen an erster Stelle wie Ern\u00e4hrungsempfehlungen mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion, k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, Vermeiden von Alkohol und Rauchen. Dazu kommt die Behandlung der Begleiterkrankungen. Spezielle Medikamente sind in der Entwicklung.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine von Wegerer, Vereinsvorsitzende des Berliner Leberring e.V. und Prof. Frank Tacke, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9 begr\u00fc\u00dften die Anwesenden am 27. September 2025 im H\u00f6rsaal am Charit\u00e9-Campus Virchow Klinikum.. 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