{"id":6521,"date":"2026-06-14T18:20:53","date_gmt":"2026-06-14T16:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/berliner-leberring.de\/?p=6521"},"modified":"2026-06-14T18:20:53","modified_gmt":"2026-06-14T16:20:53","slug":"experten-informierten-ueber-seltene-lebererkrankungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berliner-leberring.de\/en\/experten-informierten-ueber-seltene-lebererkrankungen\/","title":{"rendered":"Experten informierten \u00fcber seltene Lebererkrankungen"},"content":{"rendered":"<p>Einen Infotag zu den seltenen Lebererkrankungen gab es am 28. Februar 2026 im Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln<strong>.<\/strong> Experten vom Leberzentrum Neulk\u00f6lln und der Charit\u00e9 informierten in ihren Vortr\u00e4gen \u00fcber Diagnose und Therapie der verschiedenen Erkrankungen.<\/p>\n<p>Sabine\u00a0 v. Wegerer, Vereinsvorsitzende des <em>Berliner Leberring e.V.<\/em> und Prof. Ulrich B\u00f6cker, Chefarzt der Klinik f\u00fcr Gastroenterologie, Diabetologie und Hepatologie am Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln, begr\u00fc\u00dften die Anwesenden.<\/p>\n<h4>Autoimmune Lebererkrankungen<\/h4>\n<p><strong>Prof. Ulrich B\u00f6cker<\/strong> informierte im ersten Vortrag zu den autoimmunen Lebererkrankungen, bei denen sich das eigene Immunsystem gegen die Leber richtet. Bei einer Autoimmunen Hepatitis (AIH) f\u00fchrt eine Fehlsteuerung des Immunsystems zu einer chronischen Leberentz\u00fcndung. In vielen F\u00e4llen leiden die Betroffenen noch unter anderen Autoimmunerkrankungen. Zur Diagnose werden verschiedene Laborwerte herangezogen. Sicherheit gibt eine Gewebeuntersuchung der Leber. Behandelt wird die AIH mit Cortison, das nach einer gewissen Zeit erg\u00e4nzt bzw. dann ersetzt wird durch das Immunsuppressivum Azathioprin oder MMF.<\/p>\n<p>Bei einer Prim\u00e4r bili\u00e4ren Cholangitis (PBC) sind zun\u00e4chst die kleinen Galleng\u00e4nge entz\u00fcndet. Zur Diagnose \u00a0werden ebenfalls verschiedene Laborwerte herangezogen, entscheidend ist eine deutliche Erh\u00f6hung der alkalischen Phosphatase (AP). Behandelt wird die PBC mit UDCA. Bei Unvertr\u00e4glichkeit bzw. Nichtansprechen kann Elafibranor oder Seladelpar gegeben werden. Betroffene mit einer PBC leiden h\u00e4ufig unter starkem Juckreiz. Dagegen werden z. B. Bezafibrat, Colestyramin, Rifampicin, Naltrexon oder Sertralin eingesetzt.<\/p>\n<p>Die Prim\u00e4r sklerosierende Cholangitis (PSC) betrifft ebenfalls zun\u00e4chst die Galleng\u00e4nge. 80 Prozent der Betroffenen leiden au\u00dferdem an einer chronisch entz\u00fcndliche Darmerkrankung, meist Colitis ulcerosa.<\/p>\n<h4>Gewebeuntersuchung zur Diagnose einer Lebererkrankung<\/h4>\n<p><strong>PD Dr. Barbara Ingold-Heppner<\/strong>, Direktorin des Fachbereichs Pathologie bei Vivantes, erl\u00e4uterte in ihrem Vortrag die Rolle der Pathologie in der Leberdiagnostik. Die Entnahme einer Probe des Lebergewebes und deren Untersuchung ist z. B wichtig bei Erkrankungen wie der Autoimmunhepatitis, die nicht allein durch Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren\u00a0 diagnostiziert werden k\u00f6nnen, bei der Tumordiagnostik oder auch nach einer Transplantation f\u00fcr das Erkennen einer Absto\u00dfungsreaktion, einer Virusinfektion oder um das Wiederauftreten der Grunderkrankung zu erkennen, die Ursache f\u00fcr die Transplantation war.<\/p>\n<h4>Zwei seltene Lebererkrankungen f\u00fchren zum Gallestau<\/h4>\n<p><strong>Dr. Toni Herta, <\/strong>Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9, Campus Virchow Klinikum, informierte \u00fcber zwei seltene genetisch bedingte Lebererkrankungen: das Alagille-Syndrom und\u00a0 die die Gruppe der progressiven famili\u00e4ren intrahepatischen Cholestase- (PFIC)-Erkrankungen. Bei diesen Krankheiten ist der Transport der Gallenfl\u00fcssigkeit \u00fcber die Galleng\u00e4nge gest\u00f6rt, es kommt zum Gallestau in der Leber (Cholestase).<\/p>\n<p>Bei den Betroffenen mit einem Alagille-Syndrom sind bereits bei der Geburt zu wenige Galleng\u00e4nge in der Leber vorhanden, so Dr. Herta. Die Erkrankung betrifft meist auch andere Organe wie das Herz, die Augen oder das Skelett oder zeigt sich an der Gesichtsform. Die Symptome wie unter anderem Juckreiz, M\u00fcdigkeit, Vitaminmangel\u00a0 k\u00f6nnen unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sein. Manchmal wird die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt.<\/p>\n<p>Die PFIC-Erkrankungen \u00e4u\u00dfern sich in unterschiedlichen Symptomen wie wiederkehrender starker Juckreiz, M\u00fcdigkeit, \u00dcbelkeit, unklar erh\u00f6hten Leberwerten und einer fortschreitende Sch\u00e4digung der Leber. Zur Diagnose ist neben Blutuntersuchungen, Sonografie, MRT oder MRCP und einer genetischen Untersuchung\u00a0 manchmal auch eine Leberbiopsie n\u00f6tig, erl\u00e4uterte Dr. Herta.<\/p>\n<p>Das Alagille-Syndrom und die PFIC-Erkrankungen werden mit Medikamenten behandelt, die die Wiederaufnahme der Gallens\u00e4ure im D\u00fcnndarm hemmen, durch eine Operation kann die Gallenfl\u00fcssigkeit abgeleitet werden, beim Fortschreiten der Erkrankung kann eine Transplantation n\u00f6tig werden. Neue Therapiem\u00f6glichkeiten sind in der Entwicklung.<\/p>\n<h4>Zysten in der Leber machen nicht immer Beschwerden<\/h4>\n<p><strong>PD Dr. Tobias P\u00fcngel.<\/strong> Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charit\u00e9 behandelte in seinem Vortrag die Polyzystischen Lebererkrankungen (PLD) sowie die toxische Lebersch\u00e4digung. Die PLD ist eine genetisch bedingte Lebererkrankung, Zysten sind mit Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte, durch eine Kapsel umgebene Hohlr\u00e4ume im Gewebe, die im Prinzip \u00fcberall im K\u00f6rper auftreten k\u00f6nnen. Einzelne Zysten in der Leber verursachen meist keine Beschwerden. Frauen sind h\u00e4ufiger und schwerer von einer PLD betroffen, weil \u00d6strogene das Wachstum der Zysten beschleunigen.<\/p>\n<p>Viele, stark wachsende Zysten f\u00fchren zu einer Vergr\u00f6\u00dferung der Leber und dadurch zu Beschwerden. Mit Hilfe von Ultraschall, CT oder MRT wird die Diagnose einer PLD gestellt. Bei milden Symptomen wird zun\u00e4chst mit Ern\u00e4hrungsberatung, Physiotherapie und dem Stopp einer eventuellen \u00d6strogen-Einnahme den Beschwerden entgegengewirkt. Bei st\u00e4rkeren Beschwerden k\u00f6nnen Medikamente der Vergr\u00f6\u00dferung der Leber \u00a0mindern. Chirurgisch k\u00f6nnen einzelne Zysten oder ein Teil der Leber entfernt werden. Bei schwer Betroffenen kann eine Transplantation n\u00f6tig werden.<\/p>\n<h4>Lebersch\u00e4digungen durch giftige Substanzen<\/h4>\n<p>Eine toxische Lebererkrankung ist eine Sch\u00e4digung, die durch giftige Substanzen hervorgerufen wird. PD Dr.P\u00fcngel nannte vier Substanz-Gruppen. Medikamente, Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, nat\u00fcrliche Gifte (z. B. giftige Pilze, Schimmelpilz) und Umweltgifte.<\/p>\n<p>Vergiftungen durch entsprechende Substanzen f\u00fchren meist zu einer akuten Sch\u00e4digung der Leber. Bei einem Verdacht auf eine solche Vergiftung sollte die Einnahme bzw. der Kontakt mit den entsprechenden Substanzen umgehend beendet werden. Spezifische \u201eGegengift\u201c gibt es nur in Einzelf\u00e4llen. Bei einem akuten Leberversagen sollte fr\u00fchzeitig eine Transplantation in Erw\u00e4gung gezogen werden, so Dr. P\u00fcngel.<\/p>\n<h4>Krebserkrankungen der Gallenwege und des Lebergewebes<\/h4>\n<p><strong>Dr. Helga Schubart<\/strong> , Fach\u00e4rztin f\u00fcr Innere Medizin und H\u00e4matologie und Onkologie, Palliativmedizin am Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln informierte \u00fcber die Diagnose und Behandlung von Gallengang- und Gallenblasenkrebs. Symptome, die auf einen solchen Tumor hindeuten, k\u00f6nnen z. B. Gelbsucht, Schmerzen im rechten Oberbauch, \u00dcbelkeit und dunkler Urin sein. Risikofaktoren sind unter anderem \u00dcbergewicht, chronische Entz\u00fcndungen der Leber oder der Gallenwege, eine Fettleber oder eine Leberzirrhose, so Dr. Schubart. Mit einem CT oder MRT kann die Ausbreitung des Tumors sichtbar gemacht werden, bei einer Biopsie wird Gewebe entnommen, damit die Art des Tumors genauer bestimmt werden kann. Durch eine Operation wird der Tumor entfernt oder von innen zerst\u00f6rt. Eventuell muss ein Teil der Leber mit entfernt werden. Anschlie\u00dfend ist meist noch eine Chemotherapie n\u00f6tig.<\/p>\n<p><strong>Dr. Hendra Lo<\/strong>, Facharzt f\u00fcr Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie am Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln erl\u00e4uterte die Entstehung, Diagnose und Behandlung von Leberkrebs. Eine Krebserkrankung des Lebergewebes entsteht meist bei einer vorgesch\u00e4digten Leber, so Dr. Lo. Das Risiko vermindern kann man selbst z.B. indem man wenig Alkohol trinkt, \u00dcbergewicht vermeidet, nicht raucht und Krankheiten wie z.B. Hepatitis C behandeln l\u00e4sst. Einen fr\u00fch entdeckten Tumor k\u00f6nne man gut behandeln betont Dr. Lo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Infotag zu den seltenen Lebererkrankungen gab es am 28. Februar 2026 im Vivantes Klinikum Neuk\u00f6lln. 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