Einen Infotag zu den seltenen Lebererkrankungen gab es am 28. Februar 2026 im Vivantes Klinikum Neukölln. Experten vom Leberzentrum Neulkölln und der Charité informierten in ihren Vorträgen über Diagnose und Therapie der verschiedenen Erkrankungen.
Sabine v. Wegerer, Vereinsvorsitzende des Berliner Leberring e.V. und Prof. Ulrich Böcker, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Hepatologie am Vivantes Klinikum Neukölln, begrüßten die Anwesenden.
Autoimmune Lebererkrankungen
Prof. Ulrich Böcker informierte im ersten Vortrag zu den autoimmunen Lebererkrankungen, bei denen sich das eigene Immunsystem gegen die Leber richtet. Bei einer Autoimmunen Hepatitis (AIH) führt eine Fehlsteuerung des Immunsystems zu einer chronischen Leberentzündung. In vielen Fällen leiden die Betroffenen noch unter anderen Autoimmunerkrankungen. Zur Diagnose werden verschiedene Laborwerte herangezogen. Sicherheit gibt eine Gewebeuntersuchung der Leber. Behandelt wird die AIH mit Cortison, das nach einer gewissen Zeit ergänzt bzw. dann ersetzt wird durch das Immunsuppressivum Azathioprin oder MMF.
Bei einer Primär biliären Cholangitis (PBC) sind zunächst die kleinen Gallengänge entzündet. Zur Diagnose werden ebenfalls verschiedene Laborwerte herangezogen, entscheidend ist eine deutliche Erhöhung der alkalischen Phosphatase (AP). Behandelt wird die PBC mit UDCA. Bei Unverträglichkeit bzw. Nichtansprechen kann Elafibranor oder Seladelpar gegeben werden. Betroffene mit einer PBC leiden häufig unter starkem Juckreiz. Dagegen werden z. B. Bezafibrat, Colestyramin, Rifampicin, Naltrexon oder Sertralin eingesetzt.
Die Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) betrifft ebenfalls zunächst die Gallengänge. 80 Prozent der Betroffenen leiden außerdem an einer chronisch entzündliche Darmerkrankung, meist Colitis ulcerosa.
Gewebeuntersuchung zur Diagnose einer Lebererkrankung
PD Dr. Barbara Ingold-Heppner, Direktorin des Fachbereichs Pathologie bei Vivantes, erläuterte in ihrem Vortrag die Rolle der Pathologie in der Leberdiagnostik. Die Entnahme einer Probe des Lebergewebes und deren Untersuchung ist z. B wichtig bei Erkrankungen wie der Autoimmunhepatitis, die nicht allein durch Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren diagnostiziert werden können, bei der Tumordiagnostik oder auch nach einer Transplantation für das Erkennen einer Abstoßungsreaktion, einer Virusinfektion oder um das Wiederauftreten der Grunderkrankung zu erkennen, die Ursache für die Transplantation war.
Zwei seltene Lebererkrankungen führen zum Gallestau
Dr. Toni Herta, Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité, Campus Virchow Klinikum, informierte über zwei seltene genetisch bedingte Lebererkrankungen: das Alagille-Syndrom und die die Gruppe der progressiven familiären intrahepatischen Cholestase- (PFIC)-Erkrankungen. Bei diesen Krankheiten ist der Transport der Gallenflüssigkeit über die Gallengänge gestört, es kommt zum Gallestau in der Leber (Cholestase).
Bei den Betroffenen mit einem Alagille-Syndrom sind bereits bei der Geburt zu wenige Gallengänge in der Leber vorhanden, so Dr. Herta. Die Erkrankung betrifft meist auch andere Organe wie das Herz, die Augen oder das Skelett oder zeigt sich an der Gesichtsform. Die Symptome wie unter anderem Juckreiz, Müdigkeit, Vitaminmangel können unterschiedlich ausgeprägt sein. Manchmal wird die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt.
Die PFIC-Erkrankungen äußern sich in unterschiedlichen Symptomen wie wiederkehrender starker Juckreiz, Müdigkeit, Übelkeit, unklar erhöhten Leberwerten und einer fortschreitende Schädigung der Leber. Zur Diagnose ist neben Blutuntersuchungen, Sonografie, MRT oder MRCP und einer genetischen Untersuchung manchmal auch eine Leberbiopsie nötig, erläuterte Dr. Herta.
Das Alagille-Syndrom und die PFIC-Erkrankungen werden mit Medikamenten behandelt, die die Wiederaufnahme der Gallensäure im Dünndarm hemmen, durch eine Operation kann die Gallenflüssigkeit abgeleitet werden, beim Fortschreiten der Erkrankung kann eine Transplantation nötig werden. Neue Therapiemöglichkeiten sind in der Entwicklung.
Zysten in der Leber machen nicht immer Beschwerden
PD Dr. Tobias Püngel. Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité behandelte in seinem Vortrag die Polyzystischen Lebererkrankungen (PLD) sowie die toxische Leberschädigung. Die PLD ist eine genetisch bedingte Lebererkrankung, Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte, durch eine Kapsel umgebene Hohlräume im Gewebe, die im Prinzip überall im Körper auftreten können. Einzelne Zysten in der Leber verursachen meist keine Beschwerden. Frauen sind häufiger und schwerer von einer PLD betroffen, weil Östrogene das Wachstum der Zysten beschleunigen.
Viele, stark wachsende Zysten führen zu einer Vergrößerung der Leber und dadurch zu Beschwerden. Mit Hilfe von Ultraschall, CT oder MRT wird die Diagnose einer PLD gestellt. Bei milden Symptomen wird zunächst mit Ernährungsberatung, Physiotherapie und dem Stopp einer eventuellen Östrogen-Einnahme den Beschwerden entgegengewirkt. Bei stärkeren Beschwerden können Medikamente der Vergrößerung der Leber mindern. Chirurgisch können einzelne Zysten oder ein Teil der Leber entfernt werden. Bei schwer Betroffenen kann eine Transplantation nötig werden.
Leberschädigungen durch giftige Substanzen
Eine toxische Lebererkrankung ist eine Schädigung, die durch giftige Substanzen hervorgerufen wird. PD Dr.Püngel nannte vier Substanz-Gruppen. Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, natürliche Gifte (z. B. giftige Pilze, Schimmelpilz) und Umweltgifte.
Vergiftungen durch entsprechende Substanzen führen meist zu einer akuten Schädigung der Leber. Bei einem Verdacht auf eine solche Vergiftung sollte die Einnahme bzw. der Kontakt mit den entsprechenden Substanzen umgehend beendet werden. Spezifische „Gegengift“ gibt es nur in Einzelfällen. Bei einem akuten Leberversagen sollte frühzeitig eine Transplantation in Erwägung gezogen werden, so Dr. Püngel.
Krebserkrankungen der Gallenwege und des Lebergewebes
Dr. Helga Schubart , Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Palliativmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln informierte über die Diagnose und Behandlung von Gallengang- und Gallenblasenkrebs. Symptome, die auf einen solchen Tumor hindeuten, können z. B. Gelbsucht, Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und dunkler Urin sein. Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, chronische Entzündungen der Leber oder der Gallenwege, eine Fettleber oder eine Leberzirrhose, so Dr. Schubart. Mit einem CT oder MRT kann die Ausbreitung des Tumors sichtbar gemacht werden, bei einer Biopsie wird Gewebe entnommen, damit die Art des Tumors genauer bestimmt werden kann. Durch eine Operation wird der Tumor entfernt oder von innen zerstört. Eventuell muss ein Teil der Leber mit entfernt werden. Anschließend ist meist noch eine Chemotherapie nötig.
Dr. Hendra Lo, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie am Vivantes Klinikum Neukölln erläuterte die Entstehung, Diagnose und Behandlung von Leberkrebs. Eine Krebserkrankung des Lebergewebes entsteht meist bei einer vorgeschädigten Leber, so Dr. Lo. Das Risiko vermindern kann man selbst z.B. indem man wenig Alkohol trinkt, Übergewicht vermeidet, nicht raucht und Krankheiten wie z.B. Hepatitis C behandeln lässt. Einen früh entdeckten Tumor könne man gut behandeln betont Dr. Lo.