Die Diagnostik von Lebererkrankungen stand im Mittelpunkt eines Infotages im August am Charité-Campus Mitte. Experten erläuterten, wie moderne Diagnostik dazu beiträgt, Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen und wie die Ergebnisse der aktuellen Forschung künftig genutzt werden können, um Lebererkrankungen besser zu verstehen und zu behandeln.
Sabine von Wegerer, Vereinsvorsitzende des Berliner Leberring e.V. und PD Dr. Rolf Reiter, Oberarzt an der Charité-Mitte und Leiter des Clinical Biophysical Imaging Lab, begrüßten die Anwesenden.
Die Leber – ein Organ mit wichtigen Funktionen
Prof. Frank Tacke, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité Mitte und am Charité-Campus Virchow, gab im ersten Vortrag einen Überblick über Ursachen und typische Verläufe von chronischen Lebererkrankungen.
Er erläuterte zunächst die Rolle der Leber für die Gesundheit: Das Stoffwechselorgan ist für den Aufbau, Abbau und Umbau von Fetten, Eiweißen und Zucker aus der Nahrung zuständig. Die Leber speichert Energieträger wie Glykogen und Fette. Sie sorgt für die Entgiftung des Körpers und baut z.B. Alkohol und Medikamente und andere Stoffe ab. Sie produziert Galle, Bluteiweiße und Blutgerinnungsbestandteile. Sie hat eine wichtige Funktion für das Immunsystem. Die Leber zeichnet sich durch eine hohe Fähigkeit zur Regeneration aus.
Viele Faktoren können die Leber schädigen
Prof. Tacke nannte wichtige Ursachen von Lebererkrankungen:
- Ungesunde Ernährung mit einem hohen Anteil von Kohlehydraten und Zucker, Übergewicht und Diabetes
- Alkohol
- Virushepatitis-Infektionen
- Autoimmunerkrankungen der Leber
- Genetische Erkrankungen wie z.B. Hämochromatose, Morbus Wilson, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Porphyrie
Folge einer Schädigung/Erkrankung der Leber ist zunächst eine Entzündung (Hepatitis), dann der Umbau des Lebergewebes in Bindegewebe (Fibrose) bis zur Vernarbung (Leberzirrhose), und schließlich kann ein Leberkarzinom entstehen. Eine Leberzirrhose kann zur Bildung von Bauchwasser, Muskelschwund und einer Gelbfärbung der Haut führen, schlimmstenfalls zu einem Multiorganversagen. Lebensrettend ist dann eine Lebertransplantation.
Eine Fettleber kann zu einer schweren Erkrankung werden
Die häufigste Lebererkrankung ist die „Fettleber“, medizinisch MASLD (Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease). Auch sie kann im Endstadium zu einer Zirrhose und zum Leberversagen führen. Risikofaktoren sind z. B. Übergewicht/Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Erhöhte Fett- und Cholesterinwerte im Blut. Mit einem gesunden Lebensstil und Gewichtsreduktion kann man der Fettleber entgegenwirken. Medikamente gegen die Fettleber werden zurzeit noch in Studien getestet.
Zur Diagnose einer Lebererkrankung werden zunächst bestimmte Blutwerte bestimmt, die z. B. Auskunft geben über den Zustand der Leber oder ob eine Virusinfektion vorliegt. Mit einer Elastographie-Untersuchung (z.B. Fibroscan) können die Steifigkeit und der Fettanteil des Lebergewebes bestimmt werden.
Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung zum Check-up an der Charité
Prof. Tacke verwies darauf, dass die Charité am Campus Virchow-Klinikum bei Verdacht auf eine Lebererkrankung einen Leber Check-up anbietet, bei dem eine Fibroscan-Untersuchung durchgeführt wird. Hierfür ist eine Überweisung vom Hausarzt nötig. Anmelden kann man sich per Mail (lebersprechstunde@charite.de) oder telefonisch unter 030 450-553 179. Wichtig: Das Stichwort „Leber Check-Up“ angeben.
Bei der MRT-Elastographie kann die gesamte Leber beurteilt werden
PD Dr. Rolf Reiter und Doktorand Steffen Häseli stellten die neuesten Entwicklungen bei der Bildgebung zur Diagnose von Lebererkrankungen vor:
Bislang wird zur Diagnose zur genaueren Einschätzung der Schwere einer Lebererkrankung nach Blutuntersuchungen und Elastographie im Zweifelsfall bei einer Biopsie Lebergewebe entnommen und untersucht. Bei der bislang routinemäßig eingesetzten Elastographie (z.B. Fibroscan) wie auch bei einer Biopsie könne aber nur ein kleiner Ausschnitt der Leber untersucht werden, so Dr. Reiter. Bei der Magnetresonanztomografie-Elastographie (MRE) könne dagegen die gesamte Leber dargestellt werden.
Vor der Untersuchung im MRT wird dem Patienten/der Patientin ein Gürtel umgelegt, über den akustische Wellen abgegeben werden. Der Arzt kann am Bildschirm verfolgen wie die Leber auf diese Wellen reagiert. Die Aufnahmen zeigen die Steifigkeit des Lebergewebes und damit den Status einer Fibrose oder Zirrhose an, auch eine Fettleber kann so beurteilt werden.
Wie so eine Untersuchung abläuft, wurde vor Ort mit einem Teilnehmer der Veranstaltung demonstriert. Die anderen Teilnehmer:innen konnten die Untersuchung im Nebenraum am Bildschirm gemeinsam mit Steffen Häseli und Dr. Reiter verfolgen.
Diagnose von Lebertumoren künftig in einem sehr frühen Stadium
Pedro Augusto Dantas de Moraes, Assistenzarzt an der Klinik für Radiologie der Charité Mitte, gab einen Einblick wie die Messung der Steifigkeit des Lebergewebes künftig auch für eine frühe Diagnose von Lebertumoren eingesetzt werden kann. Die Forschung am Tiermodell am Institut für Radiologie der Charité habe gezeigt, dass sich das Lebergewebe insgesamt bereits verändert bevor ein Tumor im MRT sichtbar wird. Das heißt, die Erkrankung ließe sich schon in einem sehr frühen Stadium erkennen.
Diese Gewebe- Veränderungen könne man künftig auch mit Ultraschall-Untersuchungen verfolgen. Auch das Ansprechen des Gewebes auf eine Behandlung ließe sich dann mit Ultraschall überprüfen, so der Assistenzarzt.