Selbsthilfe für Leberkranke seit 1997

So war der Patient:innentag Lebererkrankungen

Sabine von Wegerer, Vereinsvorsitzende des Berliner Leberring e.V. und Prof. Frank Tacke, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité begrüßten die Anwesenden am 27. September 2025 im Hörsaal am Charité-Campus Virchow Klinikum..

Wie Lebererkrankungen diagnostiziert werden

Prof. Cornelius Engelmann, Oberarzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité, Campus Virchow Klinikum, startete die Vortragsreihe mit einer Übersicht der Blutwerte, die wichtig sind für die Diagnose einer Lebererkrankung. So weist eine Erhöhung der Transaminasen AST/GOT, ALT/GPT und GLD auf eine Schädigung der Leberzellen hin. Eine Erhöhung der Cholestasewerte GGT und AP (Alkalische Phosphatase) deutet auf eine Schädigung der Gallengänge. Eine Erhöhung des Bilirubin-Wertes kann Anzeichen einer Funktionsstörung der Leber sein, ebenso ein erhöhter Quick-Wert und/oder ein verminderter Albuminspiegel im Blut.

Zur weiteren Diagnostik können eingesetzt werden:
• Messung der Steifigkeit des Lebergewebes,
• Ultraschall –Untersuchung, evtl. mit Kontrastmittel, zur Beurteilung des Lebergewebes und der Gallengänge
• Computertomographie liefert eine Gesamtübersicht über die Leber, angrenzende Organe und die Gefäße
• Magnetresonanztomographie, evtl. mit Kontrastmittel, dient u. a. der Unterscheidung von Knoten bzw. Tumoren in der Leber sowie der Darstellung der Gallenwege

Für die Diagnose mancher Erkrankungen, z.B. der Autoimmunhepatitis, ist eine Biopsie notwendig, bei der eine Probe des  Lebergewebes entnommen wird.

Prof. Engelmann erläuterte den Verlauf einer chronischen Lebererkrankung beginnend mit dem fortschreitenden Umbau des Lebergewebes in Bindegewebe (Fibrose) bis zur Zirrhose,  verbunden mit Aszites (Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle), Muskelschwund Gelbfärbung der Haut und hepatischer Enzephalopathie. Kommt es zu einer dekompensierten Zirrhose, kann dies zum Leberversagen führen. In früheren Stadien kann sich das Lebergewebe regenerieren, deshalb sei es wichtig, chronische Lebererkrankungen frühzeitig zu behandeln, so Prof. Engelmann. Eine dekompensierte Leberzirrhose ist eine Indikation für eine Lebertransplantation.

Wenn sich  das Immunsystem gegen eigene Organe richtet

Prof. Frank Tacke informierte über seltene autoimmune Lebererkrankungen:

Bei der Diagnosestellung werden zunächst Blutwerte wie ALT, AP, Gammaglobulin und  verschiedene Autoantikörper untersucht.

Für die Diagnose einer Autoimmunhepatitis (AIH), bei der das Immunsystem sich gegen das körpereigene Lebergewebe richtet,  ist immer eine Leberpunktion erforderlich. Zur Therapie wird zunächst Cortison gegeben, eventuell Budesonid, das weniger Nebenwirkungen hat. Zur Langzeitbehandlung wird im Allgemeinen auf Azathioprin umgestellt, eine neue Alternative ist MMF. Frühestens nach zwei Jahren kann versucht werden, die Medikamente abzusetzen. Eine AIH müsse aber meist lebenslang behandelt werden, so Prof. Tacke.

Bei der Primär-sklerosierenden Cholangitis (PSC) sind zunächst die Gallengänge entzündet. Zur Diagnose ist ein MRT und/oder ein MRCP erforderlich, um die Gallengänge darzustellen. Die meisten Betroffenen leiden auch an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Bei einem Gallestau können die Gallengänge mit einer ERCP geweitet werden. Ein Teil der Patienten wird off-label mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) behandelt. Viele Patienten brauchen wegen einer fortschreitenden Zirrhose eine Lebertransplantation.  Der Wirkstoff Norucholsäure wurde in einer Phase III Studie bei PSC mit guten Ergebnissen eingesetzt. Die Experten hoffen auf eine Zulassung 2026.

Die Primär-biliäre Cholangitis (PBC) betrifft ebenfalls zunächst  die Gallengänge. Wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt wird, ist die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt, betonte Prof. Tacke. Für die Diagnose sind vor allem die AMA-Autoantikörper und die alkalische Phosphatase (AP) wichtig. Viele Betroffene leiden unter schwerem Juckreiz und starker Müdigkeit. Zur Behandlung der PBC wird UDCA eingesetzt. Als Zweitlinientherapie stehen jetzt Elafibranor und Seladelpar zur Verfügung, off-label wird Bezafibrat eingesetzt.

Studie untersucht starke Müdigkeit bei PBC

Die starke Müdigkeit (Fatigue), unter der 50 Prozent der PBC-Betroffenen leiden, wird jetzt an der Charité Campus Virchow-Klinikum  in einer Studie untersucht, die Dr. Toni Herta, Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité, Campus Virchow Klinikum vorstellte. Fatigue tritt häufig bei neurologischen Erkrankungen auf, z. B. bei Multipler Sklerose (MS). Bei MS wurde eine Netzwerkstörung zwischen gestimmten Hirnarealen nachgewiesen.   Nun soll erforscht werden, ob die Fatigue bei PBC-Patienten eine ähnliche Ursache hat. Für die Studie werden noch Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesucht, die an einer sicher diagnostizierten PBC leiden, keine Leberzirrhose haben, keine weitere Erkrankung, die Abgeschlagenheit auslösen kann und keine Dauermedikamente einnehmen, die Ursache der Fatigue  sein können. Für die Studie werden Interessierte mit und ohne Fatigue gesucht. Interessierte können sich bei Dr. Toni Herta melden: Toni.Herta@charite.de. Sie müssen eine Stunde Zeit für ein Vorgespräch haben und ca. vier Stunden Zeit für verschiedene Untersuchungen an einem Vormittag mitbringen.

Virus-Hepatitis-Erkrankungen – jeder kann sich infizieren

Prof. Frank Tacke gab nach der Pause einen Überblick zu den Virus-Hepatitis-Erkrankungen. Während eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus eine Entzündung der Leber auslöst, die von selbst ausheilt,  können die Hepatitis-Viren B und C oder auch die Kombination von Hepatitis B und D-Viren Ursache für eine chronische Leberentzündung/Hepatitis sein.

Jeder kann sich mit einer Virushepatitis infizieren, so Prof. Tacke. In der Regel merkt man dies nicht. Der Hausarzt oder die Hausärztin kann im Rahmen des Check-up 35 auf Hepatitis B und C testen.

Hepatitis C kann heute in den allermeisten Fällen durch Medikamente geheilt werden. Hepatitis B heilt sehr oft von selbst aus, aber wenn die Infektion chronisch wird, kann sie zu einer fortschreitenden Leberschädigung führen. Mit Medikamenten kann die Krankheit zum Stillstand gebracht werden. Eine Hepatitis-D-Infektion ist nur in Kombination mit Hepatitis B möglich. Sie ist sehr selten, kann aber zu einer schweren chronischen Lebererkrankung führen. Inzwischen ist eine spezifische Therapie für Hepatitis D zugelassen. Prof. Tacke  wies darauf hin, dass es eine wirksame Impfung gegen Hepatitis B gibt.

Fettleber – die stille Volkskrankheit

Eine stille Volkskrankheit ist die Steatotische Lebererkrankung, umgangssprachlich Fettleber. Unterschieden wird hier zwischen einer Alkohol-assoziierten  Lebererkrankung (ALD) und einer Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD). Die weit verbreitete MASLD ist meist verbunden mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten. Dementsprechend stehen Lebensstil-Veränderungen bei den Gegenmaßnahmen an erster Stelle wie Ernährungsempfehlungen mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion, körperliche Aktivität, Vermeiden von Alkohol und Rauchen. Dazu kommt die Behandlung der Begleiterkrankungen. Spezielle Medikamente sind in der Entwicklung.