Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2023

Hepatitis A bis E – eine Übersicht

Die menschliche Leber – Bild von zachvanstone8 auf Pixabay

Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag.  International wird dieser von der World Hepatitis Alliance ausgerichtet und steht dieses Jahr unter dem Motto „We’re not waiting“ bzw. „I’m not waiting“. In Deutschland lautet das Motto daran angelehnt „Ich warte nicht. Ich handele! Chronische Hepatitis-Infektionen verlaufen zwar schleichend über Jahre, aber bleiben gerade deswegen oft unentdeckt, bis es zu spät ist: Die Leber leidet still.

Doch welche verschiedenen Formen der Hepatitis gibt es, und warum ist es so wichtig, den Unterschied zu kennen? Die Deutsche Leberhilfe hat eine Übersicht zusammengestellt:

Eine  Hepatitis kann viele Ursachen haben

Hepatitis heißt übersetzt „Leberentzündung“. Eine Hepatitis kann viele verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen sind die Viren Hepatitis A, B, C, D oder E für die Leberentzündung verantwortlich (Virushepatitis). Dies sind Infektionskrankheiten.

Es gibt auch Hepatitis-Formen, die niemals ansteckend sind. Hierzu gehören zum Beispiel Leberentzündungen durch Medikamentenschäden, Alkohol, Übergewicht (nicht-alkoholische Fettleberhepatitis) oder Autoimmunkrankheiten, wie zum Beispiel die Autoimmunhepatitis, bei welcher das Immunsystem aus ungeklärten Gründen die eigene Leber angreift.  Hier geht es um die ansteckenden Hepatitis-Viren A bis E.

Das Risiko unerkannter Infektionen

Hepatitis-Infektionen können zum Teil im ersten halben Jahr von selbst ausheilen. Hepatitis A und – meistens – Hepatitis E heilen von selbst aus. Einige Hepatitis-Viren, insbesondere Hepatitis B, C und D, können jedoch auch chronisch werden und zu dauerhaften Entzündungen der Leber führen. Dies kann die Leber über Jahre und zum Teil Jahrzehnte schädigen. Da eindeutige Symptome oft ausbleiben und nur wenige Betroffene eine Gelbsucht entwickeln, bleiben viele dieser Erkrankungen lange unerkannt. Unbehandelt kann die chronische Leberentzündung zu gefährlichen Spätfolgen wie Zirrhose und Leberkrebs führen. Deswegen ist es wichtig, Risikofaktoren zu erkennen. Auf www.lebertest.de können Sie einen Online-Test machen, ob es für Ihre Leber möglicherweise ein Risiko gibt.

Hepatitis A: hochansteckend, aber selten gefährlich

Gegen das Hepatitis-A-Virus (HAV) gibt es eine sichere Schutzimpfung. Auch wer einmal eine Hepatitis A durchgemacht hat, ist lebenslang gegen eine erneute Ansteckung mit diesem Virus immun. Diese Hepatitis-Infektion wird vor allem in südlichen und mediterranen Ländern durch mit Viren verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Hierzu gehören auch Eiswürfel, mit kontaminiertem Wasser gewaschene Früchte und Salate, Muscheln aus solchen verunreinigten Gewässern, aber auch Badewasser. Schmierinfektionen, zum Beispiel über Toiletten, sind ein weiterer häufiger Übertragungsweg des Hepatitis-A-Virus.

Meist verläuft die Hepatitis A unbemerkt, ist kurzzeitig sehr infektiös und heilt stets von selbst aus. Komplikationen bei ansonsten Gesunden sind eher selten, sodass Hepatitis A als das harmloseste Hepatitis-Virus gilt. Allerdings kann eine Hepatitis-A-Infektion bei Leberkranken und Senioren schwerer verlaufen und in einigen Fällen sogar zum lebensbedrohlichen Leberversagen führen.

Gegen das Hepatitis-A-Virus steht eine sichere Impfung zur Verfügung. Diese ist ein Totimpfstoff, nicht ansteckend und wird in der Regel gut vertragen.

Hepatitis B: heimtückisches Virus mit vielen Gesichtern

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) kann eine akute oder chronische Leberentzündung auslösen. Das Hepatitis-B-Virus ist sehr ansteckend und wird über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Scheidensekret oder auch Speichel übertragen. Häufige Übertragungswege sind ein infizierter Sexualpartner, eine Infektion bei der Geburt (wenn die Mutter Hepatitis B hat), aber auch gemeinsam benutzte Utensilien bei Drogengebrauch und Hygienefehler bei medizinischen Eingriffen, Tattoos oder Piercings.

Eine Neuinfektion heilt bei den meisten Erwachsenen in den ersten sechs Monaten von selbst aus. Ganz vollständig ist diese „Heilung“ aber nicht, denn das Erbmaterial des Hepatitis-B-Virus bleibt ein Leben lang im Körper, insbesondere im Kern der Leberzellen erhalten. Deshalb kann selbst eine durchgemachte Hepatitis-B-Infektion in Einzelfällen später wieder aktiv werden, wenn das Immunsystem erheblich geschwächt wird – zum Beispiel durch eine Aidserkrankung, Knochenmarkstransplantation oder Chemotherapie. Diese Reaktivierungen sind tückisch und können sehr schwer verlaufen. Sie sind aber vermeidbar, wenn das Risiko bekannt ist. Man kennt solche Reaktivierungen nur beim Hepatitis-B-Virus, nicht aber bei den anderen Hepatitis-Viren (auch nicht bei Hepatitis C!).

Bei fünf bis zehn Prozent der Infizierten wird Hepatitis B chronisch

Bei fünf bis zehn Prozent der mit HBV infizierten Menschen nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf. Mit einer „Heilung“ durch das eigene Immunsystem oder durch Medikamente ist dann in der Regel nicht mehr zu rechnen. Bei Neugeborenen und Säuglingen verlaufen sogar 90 Prozent der Infektionen chronisch. Unbehandelt kann eine chronische Hepatitis B nach Jahren zu Zirrhose und/oder Leberkrebs führen.

Es gibt antivirale Medikamente, welche die Virusvermehrung unterdrücken. Meistens handelt es sich um eine Therapie mit täglicher Tablettengabe, die über viele Jahre und zum Teil lebenslang dauern kann. Die heutigen Hepatitis-B-Behandlungen wirken in der Regel kontrollierend, aber nicht heilend. An neuen und wirksameren Hepatitis-B-Therapien wird intensiv geforscht.

Auch gegen Hepatitis B gibt es eine sichere Impfung. Ähnlich wie die Hepatitis-A-Impfung ist diese ein Totimpfstoff, also nicht ansteckend und wird in der Regel gut vertragen.

Hepatitis C: heute fast immer heilbar

Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) wird in erster Linie durch infiziertes Blut übertragen, welches in die Blutbahn oder Schleimhäute einer gesunden Person eindringt. Blutprodukte vor 1991 waren eine häufige Ansteckungsquelle, werden aber seit drei Jahrzehnten  getestet und sind heute diesbezüglich sicher. Ansteckungswege sind weiterhin Verletzungen mit Fremdblutkontakt, gemeinsam benutzte Utensilien bei Drogenkonsum sowie Hygienefehler bei medizinischen Eingriffen, Piercing und Tätowierungen. Das Risiko einer sexuellen Infektion ist geringer als bei Hepatitis B, steigt aber bei Verletzungen, Menstruation, ungeschütztem Analverkehr und anderen harten Sexpraktiken. Alltägliche Kontakte mit Händeschütteln, Umarmen, Küssen oder die gemeinsame Nutzung einer Toilette oder Nahrungsmittel übertragen Hepatitis C nicht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 30 Prozent der Hepatitis-C-Infektionen im ersten halben Jahr von selbst ausheilen, aber in 70 Prozent der Fälle chronisch werden. Bisher konnte keine Schutzimpfung gegen dieses Virus entwickelt werden. Allerdings ist Hepatitis C heute dank verbesserter Medikamente fast immer heilbar.

Frühere Therapien mit Interferon-Spritzen hatten viele Nebenwirkungen und führten auch nur bei einigen Patienten zu einer Heilung. Das hat sich glücklicherweise geändert: Die neuen antiviralen Medikamente in Tablettenform sind sehr viel verträglicher, werden meist nur acht bis zwölf Wochen gegeben und heilen Hepatitis C schon beim ersten Versuch in 95  Prozent der Fälle komplett aus.

Anders als bei einer ausgeheilten Hepatitis A oder erfolgreich therapierten Hepatitis B gibt es bei einer ausgeheilten Hepatitis C keine Immunität. Das heißt, durch weitere Blutkontakte kann es jederzeit zu einer erneuten Infektion mit HCV kommen.

Hepatitis D: das „schlimmste“ Hepatitis-Virus

Was ist das gefährlichste der fünf Hepatitis-Viren? Wenn man Laien fragt, tippen diese meistens auf Hepatitis C – ein Irrtum: Das Hepatitis-D-Virus (HDV, Hepatitis Delta) ist weitaus gefährlicher. Es tritt allerdings niemals alleine auf und kann nur zusammen mit dem Hepatitis-B-Virus existieren, weil es dessen Hülle zur Vermehrung braucht. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt Gesunde deshalb auch vor Hepatitis D. Hepatitis D wird ähnlich wie Hepatitis B übertragen. Dies kann dazu führen, dass ein bisher Gesunder sich entweder gleichzeitig mit Hepatitis B und D ansteckt, oder dass ein Mensch mit chronischer Hepatitis B später noch zusätzlich mit Hepatitis D infiziert wird.

Eine Doppelinfektion aus Hepatitis B und D führt häufiger und schneller zu Leberschäden als eine alleinige Hepatitis-B- oder -C-Infektion. Viele Betroffene mit Hepatitis B und D entwickeln innerhalb weniger Jahre eine Leberzirrhose oder Leberkrebs.

Seit 2020 ist erstmals ein antivirales Medikament gegen Hepatitis D zugelassen. Es ist noch unklar, ob dieses Medikament die Virusinfektion nur unterdrückt oder nach längerer Behandlung auch eine Ausheilung ermöglicht. Forscher untersuchen derzeit auch weitere neuartige Substanzen in Studien.  An weiteren Arzneimitteln wird aktiv geforscht. Es wird gehofft, dass künftige heilende Therapien gegen Hepatitis B gleichzeitig auch dem Delta-Virus die Lebensgrundlage entziehen.

Hepatitis E: das häufigste Hepatitis-Virus

Hepatitis E wird durch das Hepatitis-E-Virus ausgelöst und heilt meist in den ersten drei Monaten von selbst aus. Über viele Jahre dachte man bei Hepatitis E nur an eine Reiseerkrankung aus tropischen Ländern wie zum Beispiel Indien. Dort wird die Hepatitis E häufig über mit menschlichen Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser übertragen.

Tatsächlich ist das Virus auch schon sehr lange hierzulande heimisch; man hat nur nicht darauf getestet. In Europa und anderen westlichen Industrieländern ist die Hauptinfektionsquelle rohes Fleisch von Haus- und Wildschwein, beispielsweise Schweinemett. Mit Tierfäkalien gedüngte Erdbeeren oder Salat können ebenfalls Ursache für eine Hepatitis E sein. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass jeder sechste Deutsche bereits eine Hepatitis-E-Infektion durchgemacht hat – und das meist hierzulande und nicht im Urlaub.

Hepatitis E wurde bis vor kurzem auch häufig durch Blutprodukte übertragen, da diese bis Ende 2019 zwar auf Hepatitis B und C untersucht wurden, aber noch nicht auf Hepatitis E. Mittlerweile werden alle Blutspenden auch auf das Hepatitis-E-Virus getestet.

Hepatitis-E: gefährlich für Schwangere, Leberkranke und Immunschwache

Hepatitis E ist in Deutschland weit verbreitet und wird häufig durch den Verzehr von rohem Fleisch, wie Schweinemett oder Tartar, übertragen. Manchmal sieht man auch Übertragungen durch Erdbeeren oder andere Feldfrüchte, wenn diese mit Tierfäkalien gedüngt wurden. Personen, die engen Kontakt zu Tieren haben, wie Jäger und Schweinezüchter, sind ebenfalls gefährdet. Früher gab es auch Ansteckungen durch Blutprodukte, aber inzwischen werden Blutspenden auch auf Hepatitis E getestet, um das Risiko zu minimieren.

In mehr als 99 Prozent der Fälle heilt Hepatitis E von selbst aus und wird mitunter nicht einmal gespürt. Es können jedoch typische Hepatitis-Symptome auftreten, wie Gelbfärbung der Haut und Augen. Selten sind auch neurologische Komplikationen möglich, wie Schmerzen, Taubheitsgefühle oder sogar Lähmungserscheinungen. Chronisch Leberkranke sind besonders gefährdet, da eine zusätzliche Hepatitis-E-Infektion ihre Erkrankung verschlechtern und zu Leberversagen führen kann.

Bestimmte Hepatitis-E-Virusformen, insbesondere Genotyp 1 und 2, die häufiger in Asien und Afrika vorkommen, können auch bei Schwangeren zum Leberversagen führen. In Europa verbreitete Genotypen wie Genotyp 3 sind für Schwangere seltener gefährlich, können jedoch bei Menschen mit schwachem Immunsystem, wie Organtransplantierten, zu chronischen Infektionen führen. Obwohl chronische Hepatitis E selten ist, kann sie unbehandelt in wenigen Jahren zu einer Leberzirrhose führen.

In Notfällen kann Hepatitis E mit einem antiviralen Medikament behandelt werden, obwohl dieses dafür nicht zugelassen ist und nur selten benötigt wird. In Europa und den USA gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hepatitis E. Ein chinesischer Impfstoff wurde gegen einen anderen Untertyp des Hepatitis-E-Virus (Genotyp 1) entwickelt. Es ist unklar, ob dieser Impfstoff auch vor den hierzulande verbreiteten Hepatitis-E-Viren schützen würde.

Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2023

Es ist wichtig, über die verschiedenen Hepatitis-Viren und ihre Übertragungswege Bescheid zu wissen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Bei erhöhten Leberwerten sollte auch an eine Hepatitis-Infektion gedacht werden.

Krankenversicherte in Deutschland ab 35 Jahren können sich zudem einmalig auf Hepatitis B und C testen lassen. Möglich ist dies in Hausarztpraxen im Rahmen der sogenannten „Gesundheitsuntersuchung“, die früher als Check-up 35 bezeichnet wurde. Bei chronischen Hepatitis-Infektionen sind eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend, um schwerwiegende Folgen zu verhindern: Denn Hepatitis-Infektionen sind heute oft sehr gut behandelbar. Deswegen steht der diesjährige Welt-Hepatitis-Tag in Deutschland unter dem Motto „Ich warte nicht. Ich handele!

“Der Welt-Hepatitis-Tag ist ein internationaler Aktionstag und findet jährlich am 28. Juli statt. Seit 2011 ist der Welt-Hepatitis-Tag auch offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheits­organisation (WHO).

Weitere Informationen unter: http://www.welthepatitistag.info/

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